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Die Liebe zu Bibliotheken: Drottningholm und anderswo

Bibliothek Schloss Drottningholm Schweden

Bibliotheken liebe ich sehr. Sie beruhigen und inspirieren zugleich, hier fühle ich mich sofort aufgehoben und richtig. Kindliche Prägung, vermute ich. Diese wirkt auch, wenn ich nur von außen reinschauen darf, wie auf Schloss Drottningholm.

Königliche und bürgerliche Bücherwände

In meiner Kindheit gingen wir jede Woche in die Bücherei unserer Pfarrgemeinde. Dort warteten zwei nette, ältere Damen zwischen ein paar engen Regalreihen auf mich und meine Schwester. Wenn wir uns Bücher ausgesucht hatten, stempelten die Damen das Rückgabedatum hinten ins Buch. Ich habe sie um ihren Job beneidet; mir wurde erst später klar, dass es wohl kein Job war, sondern ein Freizeitvergnügen.

Dieses herrliche Gefühl, ein bisschen überwältigt und voller Vorfreude vor einer Bücherwand zu stehen, das habe ich bis heute, egal, welche Bibliothek ich sehe.

Die von Schloss Drottningholm zum Beispiel.

Wenn man Schloss Drottningholm  auf der Insel Lovö im Mälarsee besucht, kommt man auf dem Rundgang automatisch an der Bibliothek vorbei. Man darf über rote, dicke Seile einen Blick in den Raum werfen, und sich vorstellen, wie er in der Zeit Königin Luise Ulrikes ein Treffpunkt für Intellektuelle war, wie die Königin dort ihre Briefe an Voltaire schrieb. Näher kommt man an diese Bibliothek nicht heran, aber ich bin sicher, dass die Bücher trotz aller königlich idealen Luftfeuchtigkeit wie alte Bücher aussehen und riechen.

Man möchte sich an einen der Tische setzen, den Kaffee mit Sicherheitsabstand auf den Boden stellen – ach nein, lieber nicht, wegen des Parketts. Also ohne Kaffee, aber mit einem Buch oder einem Block, und dann ruhig eine Einkaufsliste schreiben, zum Aufwärmen für das nächste Romankapitel.

Bibliotheken in kleinen und größeren Orten Schwedens

Ich kann es auch sehr empfehlen, sich einmal in einem kleinen Städtchen, sagen wir in Nybro in Småland, in die Bibliothek zu setzen. Man findet an solchen Orten keine Designer-, sondern eine zweckmäßige Einrichtung, nette, hilfsbereite Menschen, einen Kaffeeautomaten, und mit viel Glück einen Büchertauschtisch. Ich war einmal dort auf der Durchreise und hatte kein Buch zum Tauschen dabei (außer das, in dem ich gerade las: undenkbar!), also durfte ich eine Spende machen.

Oder die Insel Donsö: Sie hat eine sehr kleine Bibliothek, aber wann schaut man schon einmal direkt auf eine kleine Kirche, wenn man vom Buch auf- und aus dem Fenster schaut, und darüber ist nur der blaue Schärengartenhimmel?

In der „Linnéstadens bibliotek“ im Stadtteil Masthugget in Göteborg ist es im obersten Stockwerk unter dem Dach besonders schön, durch die Dachluken hört man die Möwen schreien.

Wenn man in Stockholm ist, kann man in der Stadtbibliothek Bücher inmitten eines Höhepunktes der Schwedischen Moderne erleben: Gunnar Asplund, einer der wichtigsten Architekten und Pioniere dieser Epoche, hat sie entworfen, die Eröffnung war 1928. Dort in der Rotunde muss man kein Buch über schwedische Architektur lesen – aber es kann gut sein, dass man das auf einmal möchte.

 

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