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Britt-Marie war hier, aber

Man findet keinen richtigen Draht zu ihnen, versucht es weiter, entdeckt sogar Züge, die man nicht vertiefen möchte – mit Büchern ist es manchmal wie mit Menschen.

Ich wollte sie gerne mögen

Einige Zeit zuvor hatte ich „Ein Mann namens Ove“ gelesen – natürlich, nachdem jeder schon die Verfilmung mit Rolf Lassgård als Ove gesehen hatte. Erwartet hatte ich einen albernen Rentner-Blockwart-Klamauk; danach reihte ich mich gerne ein in die Lobeshymnen über diesen Erstling von Fredrik Backman.  Darum soll es hier aber nicht gehen. Oder vielleicht doch, denn ich entwickelte gewisse Erwartungen.

Dann fiel mir „Britt-Marie war hier“ in die Hände. Und Britt-Marie und ich kamen uns einfach nicht näher. Damit ging es mir wie den meisten anderen Figuren des Buches zu Beginn, wir schreckten alle zusammen zurück vor Britt-Marie, sie war so schroff, so putzbesessen. So abweisend wie die abgehackten Sätze, die lakonischen, manchmal stereotypen Spiegel von Britt-Maries Innenleben.

Erwartungen oder schnelle Urteile

Ich ließ aber nicht locker, mich sogar auf die vielen Fußballdetails ein, die ich vermutlich missverstand, weil ich keine Ahnung davon habe, wie sehr der Fußball wie das Leben ist. Da immerhin ging es mir wie Britt-Marie.

Es wurde nicht viel besser. Ich mochte die anderen Figuren, mit ihren schmerzhaft verhalten erzählten Dramen, die Schlichtheit, mit der der Autor die großen Dinge beschrieb: Warum Britt-Marie war, wie sie war, warum sie sich weigerte, noch einmal richtig neu anzufangen.

Es störte mich jedoch, leider, die Sprache des Buches. Leider deswegen, weil ich zu verstehen glaube, warum es so geschrieben ist. Und weil es eine Kunst ist, das durchzuhalten. Aber es ist schwer, Gefühle zu entwickeln, mitzuschwingen, wenn die Sätze kurz und in einem Aus-dem-Off-Ton geschrieben sind, eine Kommentarschleife im Kopf der Figuren. Die Handbremse bleibt angezogen, man steht daneben und weiß nicht, ob man Britt-Marie bei der Hand nehmen würde, wenn man könnte.

Die guten Stellen

Aber es gibt sie doch, die guten Stellen, die den Scharfblick des Autors und sein Herz durchscheinen lassen. Das ist die große Stärke Backmans, finde ich, dass es so genau hinschaut, und die Dinge benennt.

So steigt er gegen Ende des Buches, die Hauptfigur hat sich weiterentwickelt, fast unvermittelt ein in die Frage: Wie lebt man ein Leben? Wann ist man glücklich gewesen?

Es gebe nur ein paar Augenblicke in jedem Leben, in denen der Mensch die Zeit loslassen und fallen könne, schreibt er. „Vielleicht ein paar Male, wenn wir noch Kinder sind (…). Aber später, wie viele Atemzüge tun wir außerhalb unseres Selbst?“ „Wie viele Gefühle entlocken uns lautstarkes Gejubel?“ fragt er. Wichtige Fragen, wie ich finde.

 

Oma lässt grüßen

Noch kurz zu„Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid“:  Auch dort kurze Sätze, es geht um das Anderssein, erzählt am Beispiel eines kleinen Mädchens, das so anders ist, dass es schnell rennen gelernt hat, trotz schweren Schulranzens – so oft musste es schon seinen Schulkameraden davonlaufen. Sehr gut, berührend.  Ich würde sie sofort an die Hand nehmen, die siebenjährige Elsa.

 

Buchrezension:

 

Fredrik Backman: Britt-Marie war hier
Erschienen 2014 bei Fischer

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Fischer

Info: Diesen Beitrag habe ich aus freien Stücken und unbeeinflusst geschrieben, ohne eine Gegenleistung, auch nicht das Buch selbst, dafür zu erhalten.

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